Video "Billie Holiday - Strange Fruit" von Youtube
Leseprobe aus der CD-ROM "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Eine der bedeutendsten Jazzsängerinnen der Welt war die amerikanische Künstlerin Billie Holiday (1915–1959), eigentlich Eleonora Fagan. Die große Sängerin des Blues im Swingstil wurde von dem Tenorsaxophonisten Lester Young (1909–1959) „Lady Day“ genannt. Sie gilt als „Sängerin des Understatements“, weil sie eine sensible und kultivierte Stimme besaß. Ihr berühmtestes Stück heißt „Strange Fruit“ und wandte sich gegen Rassendiskriminierung.
Eleonora Fagan ließ ihre kräftige Stimme erstmals als Neugeborene am 7. April 1915 in Baltimore (Maryland) ertönen. Ihr Vater Clarence Holiday war bei ihrer Geburt erst 15 Jahre alt, ihre Mutter sogar nur 13. Der Vater spielte später unter anderem bei der Band „McKinney’s Cotton Pickers“ und bei Fletcher Henderson (1897–1952) als Gitarrist. Die Eltern von Eleonora haben nicht geheiratet. Das Mädchen musste bereits als Sechsjährige zum Lebensunterhalt mit beitragen.
1929 kam Eleonora als 14-Jährige nach New York. Dort trat sie mit 15 in Nachtclubs auf. 1933 wurde sie von dem „König des Swing“, Benny Goodman (1909–1986), entdeckt. Nach 1933 sang sie in Harlemer Clubs. Später hörte man sie mit dem Orchester von Count Basie (1904–1984) und Artie Shaw sowie im „Café Society“ und in Hollywood.
Eleonora Fagan erfand selbst das Pseudonym „Billie Holiday“. Den Namen „Billie“ wählte sie zur Erinnerung an die von ihr verehrte Schauspielerin Billie Dove (1903–1997), Holiday hieß – wie erwähnt – ihr Vater. Zeitweise trug sie auch den Namen Gough McKay.
Zwischen 1935 und 1939 wurde Billie Holiday durch Aufnahmen mit dem Pianisten und Komponisten Teddy (Theodore) Wilson (1912–1986) und mit ihrer eigenen „All Star Band“ bekannt. 1935 sah man sie in dem Film „Symphonie in Black“.
Bis 1936 war Billie Holiday drogenfrei. Doch dann nahm sie Opium, kam ins Gefängnis und kehrte nach ihrer Freilassung auf die Bühne zurück.
1944 trat Billie Holiday bei einem Jazzkonzert in der New Yorker „Metropolitan Opera“ („Met“) auf. Neben Louis („Satchmo“) Armstrong (1900–1971) sah man sie 1947 in dem Film „New Orleans“. Während der 1940-er und 1950-er Jahre arbeitete sie – oft von einem Pianisten musikalisch begleitet – in New Yorker Clubs und am Broadway.
1954 unternahm Billie Holiday ihre erste Europatournee. 1957 wirkte sie in der Fernsehshow „The Sound Of Jazz“ mit und trat beim „Newport Jazz Festival“ auf. Nach Ansicht von Kritikern wurde sie später ihren früheren Leistungen nicht mehr gerecht. In den letzten zwei Jahren ihres Lebens war Mal Waldron ihr ständiger Begleitpianist. Ende 1958 sang sie noch einmal in Europa.
Billie Holidays Gesangsstil ist vom Blues geprägt gewesen. Sie gilt – neben den amerikanischen Künstlerinnen Ella Fitzgerald (1918–1996) und Sarah Lois Vaughan (1924–1990) – als eine der besten Jazzsängerinnen in der Epoche des Swing. 1957 erschien die von Billie Holiday und William F. Dufty verfasste Autobiographie „Billie Holiday. Schwarze Lady. Lady sings the blues“.
Das abenteuerliche Leben von Billie Holiday ist sehr oft erzählt und
ebenso oft verfälscht worden – so entstand allmählich ein Mythos. Die Geschichten über sie reichen vom Hausmädchen über Prostitution und Vergewaltigung bis zum Gesangsstar, dessen Karriere durch Drogen überschattet wurde.
Billie Holiday starb am 17. Juli 1959 im Alter von nur 44 Jahren im „Metropolitan Hospital“ in New York an den Folgen ihrer Heroinsucht. Auf ihrem Bankkonto befanden sich da-mals nur sage und schreibe 70 Cents. Aber sie trug 750 Dollar bei sich, die sie an ihren Beinen festgebunden hatte.
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