Freitag, 16. März 2007

Ella Fitzgerald: Die "First Lady des Jazz"



Video "Ella Fitzgerald Sings" von Youtube

Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:



Als beste Jazzinterpretin der Welt lobten Experten die farbige amerikanische Sängerin Ella Fitzgerald (1918–1996). Die „First Lady des Jazz“ musizierte mit allen großen Vertretern dieser Musikrichtung, machte sämtliche Wandlungen mit und unternahm auch immer wieder erfolgreiche Ausflüge in die Welt der Popmusik sowie des Musicals. Der Tenorsaxophonist Lester Young (1909–1959) bezeichnete sie als „Lady Time“.

Ella Fitzgerald kam am 25. April 1918 in Newport News (Virginia) zur Welt. Ihren Vater kannte sie nicht, weil dieser bereits kurz nach der Geburt die Familie verließ und früh starb. Später heiratete die Mutter wieder, und die Familie wohnte in ärmlichen Verhältnissen zusammen mit anderen schwarzen Zuwanderern im New Yorker Vorort Yonkers.

Die Mutter arbeitete zunächst in einer Wäscherei und später in einem Getränkehandel. Ella hockte zu Hause stundenlang vor dem Plattenspieler und hörte sich die Lieder der „Boswell Sisters“ oder der „Mills Brothers“ an, die als „Könige des Swing“ galten. Außerhalb der Schule lernte sie Musizieren und Tanzen und verdiente zeitweise als Aufpasserin in einem Bordell etwas Taschengeld.

Zunächst träumte Ella Fitzgerald davon, Tänzerin zu werden. Sie tanzte in Schulaufführungen und auf den Straßen Harlems und bewarb sich beim „Harlem Opera House“ als Tänzerin. Am Abend ihres Debüts konnte sie sich jedoch vor lauter Lampenfieber kaum bewegen, sang deshalb verlegen einen Song von Connie Boswell (1907–1976) und begeisterte damit das Publikum. In der Folgezeit hatte sie etliche Auftritte und gewann einige Amateurwettbewerbe.

Bald war Ella Fitzgerald so bekannt, dass ihr eine Radioshow des Senders „Columbia Broadcastings System“ (CBS) einen Vertrag anbot. Der Abschluss kam jedoch nicht zustande, weil ihre Mutter starb, bevor sie für die minderjährige Ella unterschreiben konnte, und ihr Stiefvater unterstützte sie nicht.

Im Februar 1935 täuschte die 17-jährige Ella Fitzgerald ein höheres Alter vor und unterschrieb einen Vertrag als Sängerin mit dem „Harlem Opera House“. Schon damals zog Ellas ungewöhnlich klangvolle Drei-Oktaven-Stimme ihre Zuhörer in den Bann. Unter anderem fiel sie dem Jazzmusiker Benny Carter wohltuend auf, der den Bandleader und Drummer Chick Webb (1902–1939) auf sie aufmerksam machte. Webb nahm sie 1935 unter Vertrag, wurde ihr Mentor und väterlicher Freund. Mit ihm machte sie ihre ersten Schallplattenaufnahmen wie die Jazzballade „Mr. Paganini“ und das verswingte Kinderlied „A-Tisket, A-Tasket“, das sie selbst schrieb.

Ella wurde das jüngste Mitglied der „American Society of Composers, Authors und Publishers“ und von Chick Webb auf seiner ersten Tournee in den Westen der USA und später in den Süden mitgenommen. Wie andere schwarze Künstler jener Zeit litt auch Ella an der damaligen Rassendiskriminierung. Sie und die anderen Bandmitglieder konnten keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, fuhren deswegen im eigenen Bus, und weil Hotels sie nicht aufnahmen, schliefen sie auch in dem Fahrzeug. Außerdem durften sie wegen ihrer Hautfarbe keine Toiletten an Tankstellen benutzen.

Chick Webb erkrankte bei der ersten Tournee an Lungenentzündung, wurde in Alabama in ein Krankenhaus eingeliefert und starb nach einer Woche. Nach Webbs Tod übernahm die 21-jährige Ella von 1939 bis 1942 die Leitung der Band, die sich bald „Ella Fitzgerald and Her Famous Orchestra“ nannte. 1941 heiratete Ella den Hafenarbeiter Bennie Korngay, von dem sie sich nach zwei Jahren trennte.

Nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg 1941 wurden einige Bandmitglieder Ellas zum Militär einzogen, und die Band musste aus Mangel an guten Musikern aufgelöst werden. Danach arbeitete sie mit verschiedenen Ensembles zusammen.

1947 machten Ella und der Musiker Dizzy Gillespie (1917–1993) zusammen Plattenaufnahmen in dem neuen Jazzstil Bepob. Sie ging mit Gillespies Band auf Tournee, hatte mit dem Lied „Lady be good“ großen Erfolg und freundete sich mit Ray Brown, dem Bassisten von Gillespie, an, der im Spätsommer 1948 ihr zweiter Ehemann wurde.

Von 1948 bis 1952 trat Ella Fitzgerald in einer Jazzcombo auf, die Ray Brown leitete. Nach Rückkehr von einer Europatournee 1948 kauften Ella und Ray ein Haus in St. Albans bei New York. Später adoptieren sie einen kleinen Jungen, den sie „Ray junior“ nannten, und der vielfach irrtümlich als Sohn von Ray Brown gehalten wurde. 1952 ließen sich Ella und Ray scheiden.

Bei einer Konzerttournee begegnete Ella Fitzgerald 1956 dem zehn Jahre jüngeren Dänen Thor Einar Larsen, der in einer Schallplattenfirma arbeitete. Die amerikanische Sängerin nahm sich eine zweite Wohnung in Dänemark und heiratete Larsen. Doch der dritte Gatte entpuppte sich als Schwindler, der seine schwedische Verlobte um ihr Vermögen gebracht hatte, weswegen man ihn zu fünf Monaten Zwangsarbeit verurteilte. Daraufhin wurde Ellas dritte Ehe sofort geschieden.

Zu Ella Fitzgeralds künstlerischen Partnern gehörten der Trompeter Louis Armstrong (1900–1971) genannt „Satchmo“, der Pianist Count Basie, der Pianist Duke Ellington (1899–1974), der Klarinettist Benny Goodman, der Pianist Oscar Peterson und der Pianist Tommy Flanagan. Von ihr sind etwa 250 Schallplatten erschienen, sie erhielt zwölf „Grammys“ und zahlreiche andere Auszeichnungen und trat in dem Film „Pete Kelly’s Blues“ (1955) und in mehreren eigenen Fernsehshows auf.

Zu Beginn der 1960-er Jahre ließ sich Ella Fitzgerald in Beverly Hills bei Hollywood nieder, wo sie ein zweistöckiges Haus mit Swimmingpool im Innenhof erworben hatte. Ihre Nachbarn waren vor allem weiße Schauspieler, Sänger und Millionäre, die es nicht gerne sahen, dass sich eine Schwarze zu ihnen gesellte.

1971 unterzog sich Ella Fitzgerald einer Augenoperation. Zuvor konnte sie die helle Bühnenbeleuchtung nicht mehr ertragen, danach trug sie eine dunkle Brille. Im September 1986 ließ sie in Los Angeles (Kalifornien) eine Bypass-Operation am Herzen vornehmen. 1993 wurden ihr wegen schwerer Diabetes beide Unterschenkel amputiert. Am 15. Juni 1996 starb sie im Alter von 78 Jahren in ihrem Haus in Beverly Hills (Kalifornien).

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